Differentialdiagnosen

Können auch andere Erkrankungen zu einem Mangel an Thrombozyten führen?


Ein Thrombozytenmangel (Thrombozytopenie) kann verschiedene Ursachen haben. Um zu klären, ob eine Immunthrombozytopenie (ITP) vorliegt, müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden. Man bezeichnet die anderen in Frage kommenden Ursachen als Differenzialdiagnosen. Die Behandlung zielt in diesen Fällen darauf ab, die eigentliche Ursache zu beheben.


Was sind die Differentialdiagnosen der ITP?

Ein Mangel an Thrombozyten kann durch verschiedenste Ursachen ausgelöst werden. So können z.B. einige Erkrankungen zu einer Verminderung der Anzahl an Thrombozyten führen. Hier folgen einige Beispiele:

  • Erkrankungen der blutbildenden Organe oder der Blutzellen
  • Infektionen durch Viren, Bakterien oder Parasiten
  • Lebererkrankungen
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Autoimmunerkrankungen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • schwerer Vitamin-B12- und Eisenmangel


Es gibt auch Medikamente, die die Zahl der Blutplättchen beeinflussen können. Dazu gehören auch Arzneimittel wie Schmerzmedikamente, die frei verkäuflich sind oder pflanzliche Heilmittel. Daher ist es wichtig, Ihrem Arzt mitzuteilen, welche Medikamente Sie einnehmen. Sind Medikamente die Ursache für eine Thrombozytopenie, kann diese durch das Absetzen des Präparates rückgängig gemacht werden. Ein Mangel an Thrombozyten durch Medikamente ist relativ häufig zu beobachten.

In seltenen Fällen können auch angeborene Formen des Thrombozytenmangels (hereditäre Thrombozytopenien) vorliegen. Da sie angeboren sind, fallen sie meist schon in der Kindheit auf. In der Regel sind innerhalb einer Familie mehrere Personen betroffen.

Bei etwa 6 bis 8 % aller gesunden Frauen kommt es im letzten Drittel der Schwangerschaft zu einer vorübergehenden Verminderung der Thrombozyten, ohne dass dies der werdenden Mutter oder dem Kind schadet.

In einigen Fällen kann der Thrombozytenmangel auf die Bestimmungsmethode im Labor zurückgeführt werden. Man spricht dann von einer Pseudothrombozytopenie oder EDTA-Thrombozytopenie. Dies kann über die richtige Auswahl der Bestimmungsmethode vermieden werden.

Um die oben genannten Erkrankungen als Ursache des Thrombozytenmangels bei Verdacht auf eine ITP auszuschließen, wird der Arzt eine intensive Befragung zur Krankenvorgeschichte (Anamnese) eine ausführliche körperliche Untersuchung sowie Laboruntersuchungen vornehmen.

Eine Knochenmarkpunktion zur Klärung der Diagnose ist normalerweise nicht nötig. Sie wird bei erwachsenen Patienten nur dann empfohlen, wenn die Laborbefunde oder die Krankenvorgeschichte atypisch sind, der Patient älter als 60 Jahre ist oder auf Therapien über einen längeren Zeitraum nicht angesprochen hat.


Differentialdiagnosen der ITP


  • Pseudothrombozytopenie (EDTA-Thrombozytopenie)
  • Hereditäre Thrombozytopenie
  • Medikamenten-induzierte Thrombozytopenie
  • Zytostatika-induzierte Thrombozytopenie
  • Virustatika-induzierte Thrombozytopenie
  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie
  • Posttransfusionelle Purpura
  • Schwangerschaftsassoziierte Thrombozytopenie
  • Lymphom
  • Infektionen (Viren, Bakterien, Parasiten)
  • Lebererkrankungen
  • Alkoholabusus
  • Sarkoidose
  • Schwere Vitaminmängel (B12, Folsäure, auch schwerster Eisenmangel)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Evans-Syndrom
  • Hämatologische Systemerkrankungen
  • Thrombotisch thrombozytopenische Purpura und hämolytisch urämisches Syndrom
  • Verbrauchskoagulopathie
  • Große Hämangiome (z.B. Kasabach-Merritt-Syndrom)


Tabelle 1: Differenzialdiagnosen der ITP
(Matzdorff et.al. Diagnostik und Therapie der Immunthrombozytopenie Onkologie 2010; 33(suppl 3):2–20)

© Octapharma 2017